– NUR DIE VORSTELLUNG WAR HORROR –

Ann Katrin (23)

Es war ein recht warmer Frühlingstag. Der 24.02.2015. Es war Dienstag, ich war bei 37+5 und ging entspannt zu meiner Frauenärztin. Mal wieder saß ich, völlig genervt, mit Termin 2 Stunden in der Praxis, bis ich zum CTG kam. Es waren ordentliche Senkwehen zu sehen.

Mein Blutdruck…

Die Schwangerschaft war nicht schön. Ich habe, bis in die 14. Woche Hyperemisis gehabt. Bis zur 20. Woche ging es mir dann gut. Ab da machten meine Bandscheiben Probleme. In der 32. Woche lag ich wegen verkürztem Gebärmutterhals und offenem Muttermund im Krankenhaus, danach viel liegen. Während ich beim CTG lag, dachte ich darüber nach, wie lange es wohl noch dauern würde. Die Hebamme kam, nahm Blut ab, Blutdruck messen und wiegen…Hoppla – 32 Kilo mehr. Ich konnte mir wieder das nervige Gequake anhören, dass es ja zu viel sei. Was soll ich dagegen machen, liegt in der Familie.

Ich ging also zur Ärztin rein. Plötzlich wollte Sie einen Ultraschall machen, was mir komisch vorkam. Mit dem Äffchen war alles in Ordnung. 3200 Gramm und 50 cm sollte er sein. Sie schaut mich an und sagte: “Sie müssen ins Krankenhaus, ihr Blutdruck ist viel zu hoch. Das sollte kontrolliert werden. Wir sehen uns dann nach der Geburt”. Ich ging, völlig verunsichert, aus der Praxis und rief meine Hebamme an.

Schwangerschaftsvergiftung?

Diese beruhigte mich zwar, aber auf einmal sprach jemand von Schwangerschaftsvergiftung. Was tut man da? Richtig, googeln. Das schlimmste, was man in einer Schwangerschaft überhaupt machen kann. Ich fuhr nach Hause, wartete auf meinen Mann und wir fuhren gegen 18:00 Uhr ins Krankenhaus. Ich bekam ein 24 Stunden Blutdruckgerat, womit man nachts als hochschwangere bestens schlafen kann – nicht – und sollte zur Beobachtung bleiben.

25.2.2015 – ich merkte in der Nacht schon, dass mein Blutdruck nicht in Ordnung war. Das Gerät war mal wieder am messen – wie alle 30 Minuten. 220 zu 160, das machte mir Angst. Ich klingelte. Die Krankenschwester kam und schickte mir direkt die Ärztin. Diese nahm mich sofort mit ins Untersuchungszimmer. Sie machte einen Ultraschall und maß nochmal Blutdruck. Äffchen ging es gut, aber mir offensichtlich nicht. Es war etwa 4.30 Uhr, als ich wieder in meinem Bett lag. Ich grübelte.

Die letzte Nacht ohne Baby

Es wurde umgestellt. Ich kam in einen Kreißsaal mit Überwachung. Dort war nicht viel los. Ich hatte vielleicht insgesamt eine Stunde geschlafen. Der Tag verlief wieder ruhiger, aber der Blutdruck sank nicht unter 160 zu 100. Als die Schwester mir abends das Gerät entfernte schaute sie mich an und meinte: “Das wird bestimmt ihre letzte Nacht ohne Baby”. Die Nacht schlief ich genau 2 Stunden. Alles andere verbrachte ich damit, Wehen zu veratmen, die mal mehr mal weniger kamen. Sollte es so losgehen?

Am morgen waren schöne, regelmäßige Wehen im Abstand von 9 Minuten auf dem CTG zu sehen. Die Hebamme schaute mich erstaunt an. Die Visite kam, aber sie hatten sich das Ergebnis vom Blutdruckmessen noch nicht angesehen. Ich zog mich an und wollte spazieren gehen, als mein Mann kam.

Horrorvorstellung Kaiserschnitt

Nach dem Frühstück gingen wir etwa um 10 Uhr noch eine Runde ins Feld – nein. Wir kamen nicht weiter, als zum Parkplatz, da rief die Schwester meinen Namen vom Balkon. Die Ärztin kam mir auf dem weg nach oben entgegen: “Wir machen heute Nachmittag einen Kaiserschnitt, ihr Blutdruck ist zu gefährlich hoch”.

Da war sie, meine Horrorvorstellung. Ein Stich in den Rücken. Ich ging hoch aufs Zimmer und versuchte mich zu beruhigen und rief meine Mutter an. Um 11.30 Uhr stand plötzlich der Anästhesist im Zimmer: “Ich kläre sie nun auf, dann ziehen wir sie um und sie kommen mit”. Ich lag da, völlig regungslos und perplex. Es war doch erst Mittag.

Der Stich

Wir füllten alles aus, eine Vollnarkose wollte ich nun auch nicht. Mein Mann ging mit der Schwester und da saß ich. Ganz alleine, vor Angst mit Tränen in den Augen nackt auf dem kalten Tisch. Der Anästhesist war sehr nett, er quatschte mich mit irgendetwas zu, was ich nicht mehr wahrgenommen habe. Ich hatte nur noch Angst. Die Hebamme hielt meine Hand und auf einmal spürte ich meine Beine nicht mehr.

Und das war er, der Stich-Moment. Da war ein Stich, den ich nicht bemerkt haben. Danke an dieser Stelle für den tollen Anästhesisten.

Ich wurde in den OP geschoben. Wie lustig alle in grün aussehen, mit froschgrünen Handschuhen. Mein Mann kam, endlich war ich nicht mehr alleine. Ich bekam Sauerstoff, weil der von der Aufregung immer runter geht. Es rüttelte und drückte aber ich spürte ansonsten nichts. Und da war er plötzlich: Der erste Schrei meines Babys. Sofort schießen einem Gedanken in den Kopf: Ist alles gut, was wiegt er, wie groß ist er? 3800 Gramm, 54 cm und kerngesund war er.

Er wurde mir nicht weggenommen – davor hatte ich große Angst

Er wurde mir direkt auf die Brust gelegt, war bei mir und wurde mir nicht weggenommen. Davor hatte ich große Angst! Ich konnte seine Wärme spüren und seinen Atmen hören. Er war bei mir, bis ich fast fertig war. Papa und er gingen schonmal hoch und ich wurde fast direkt hinterher geschoben. Es war gar nicht so schlimm, wie ich dachte. Es war keine Horrorgeburt. Nur die Vorstellung in meinem Kopf war Horror.

Es war wunderschön.

 

WEITERE GEBURTSBERICHTE

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR