– ICH SPRACH MEINE ÄNGSTE AN UND ES WAR PERFEKT –

Ann Christin (30)

Als ich meine erste Tochter 2012, per Kaiserschnitt, auf die Welt bringen musste, hatte ich keine guten Erfahrungen gemacht. Deswegen stand für mich eigentlich fest, dass die zweite Geburt anders ablaufen muss!

Mein Baby war für eine Geburt auf normalem Wege zu groß

2019 erfuhr ich dann, dass wir mit unserer zweiten Tochter schwanger sind. Schnell stieg in mir die Angst vor der Geburt. Ich versuchte aber, positiv zu bleiben und mich viel zu informieren, wie es diesmal alles anders laufen sollte. Da ich mich beim ersten Kaiserschnitt sehr unwohl und nicht gut aufgehoben gefühlt habe, war für mich klar, dass dieses Gefühl beim zweiten Mal nicht wieder entstehen darf! Ich bereitete mich die ganze Schwangerschaft darauf vor, eigentlich auf normalem Wege meine Tochter auf die Welt zu bringen. Eine Woche vor meinem errechneten Geburtstermin sagte mir dann meine Frauenärztin: „Es sieht nicht gut aus, dass Baby hat zu wenig Fruchtwasser und ist, so wie es aussieht, viel zu groß um es auf dem normalem Wege auf die Welt zu bringen”. Ich dachte nur: „Oh nein, bitte nicht wieder einen Kaiserschnitt”!

Als ich mir zeitnah einen Termin im Krankenhaus machte, war mir wichtig, dass ich dieses Mal alles anspreche, wovor ich Angst habe. Das Gespräch mit dem Chefarzt lief sehr gut. Ich schilderte ihm meine Wünsche und Ängste und er versprach mir, dass dieses Mal alles besser werden wird! Ich bekam für den Kaiserschnitt einen Termin in zwei Tagen und fuhr wieder nach Hause. Zu Hause angekommen konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich hatte zwar ein positives Gefühl, aber die Ängste, dass es wie bei der ersten Geburt werden wird, waren größer.

Es war direkt ganz anders, als letztes Mal

Nun war es soweit. Am 08.11.2019 fuhr ich mit meinem Mann um 6 Uhr morgens in die Klinik. Ich versuchte meine negativen Gedanken auszublenden und nur an das Positive zu denken! Das klappte auch wirklich sehr gut. In der Klinik angekommen wurde ich diesmal schon ganz anders empfangen, als bei der ersten Geburt. Eine sehr liebe Hebamme holte mich aus dem Wartebereich ab und brachte mich in den Kreißsaal. Im Kreißsaal stand schon mein Bett und meine Hebamme sagte zu mir, ich könne mich schonmal umziehen und gemütlich ins Bett legen. Kurz darauf machte sie noch ein CTG, um zu sehen, wie es dem Baby geht.

Als alle Vorbereitungen erledigt waren, bekam sie einen Anruf vom OP-Team und meinte: „So meine Liebe, es geht los”. Ihr glaubt gar nicht, wie mein Herz angefangen hat zu pochen. Meine Hebamme sagte mir die ganze Zeit, dass alles gut wird und gleich mein zweites Wunder da sein wird.

Als wir im OP ankamen, wurde mein Mann gebeten sich umzuziehen und ich wurde diesmal direkt in den OP-Bereich gefahren und musste nicht, wie sonst üblich in das Anästhesiezimmer für die PDA . Mir wurde gesagt, dass sie mir die PDA direkt im OP geben, da es für mich weniger stressig ist. Ich wurde auf den OP-Tisch gelegt und bekam dort, von 2 sehr netten Anästhesisten meine PDA. Diesmal gingen alle im OP komplett auf mich ein. Jeder beruhigte mich. Alle waren so lieb zu mir, was meine Angst immer mehr verschwinden ließ. Als alles betäubt war, bekam ich sogar noch eine Wärmedecke, da ich beim Gespräch angegeben hatte, dass mir beim letzten Mal so kalt war. Ich war völlig baff, wie anders es diesmal war.

Wir mussten direkt weinen

Mein Mann kam dazu und es dauerte nicht lange und meine kleine Maus war da. Ich war gespannt, ob sie mir direkt gegeben wird, da es beim ersten Mal leider nicht so war. Aber ja, was soll ich sagen. Sie kam direkt zu mir an die Brust. Mein Mann und ich haben uns angeguckt und mussten direkt anfangen zu weinen. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und wenn man es beim ersten Mal nicht so hatte, war die Freude für mich doppelt so groß!

Meine Maus durfte sehr lange so bei mir liegen. Irgendwann kam meine liebevolle Hebamme und musste die Kleine zum wiegen und schauen, ob alles ok ist, mitnehmen. Mein Mann blieb bei mir. Als der Chefarzt meinte: “Herzlichen Glückwunsch, alles verlief super“, kam in mir das Gefühl von so starker Dankbarkeit auf, dass ich gefühlt 100 Mal zu allen Leuten im OP “Danke” gesagt habe. Ich wurde direkt in den Kreißsaal gebracht, wo mein Mann und meine Hebamme auf mich warteten. Ich bekam meine kleine Maus direkt angelegt und wir durften die ganze Zeit kuscheln. Es war so schön und ich war so erleichtert, es geschafft zu haben.

Es war perfekt!

Nach insgesamt 3 weiteren Stunden im Kreißsaal durfte ich dann auf die normale Station, wo auch schon meine große Tochter gespannt auf ihre kleine Schwester wartete. Alles war perfekt und ich bin so dankbar, nochmal den Kaiserschnitt gemacht zu haben, da mir meine Ängste dadurch komplett genommen wurden und die Geburt für mich perfekt war.

Somit zum Abschluss: Egal was man sich bei der Geburt wünscht, oder wovor man Angst hat, man muss es immer ansprechen und nicht schweigen. Das ist sehr wichtig. So können sich alle besser drauf vorbereiten und alles läuft so ab, wie man es sich wünscht.

Fazit: Ein Kaiserschnitt kann auch Wunderschön sein!

 

 

 

 

 

 

 

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