– HAUSGEBURT NACH KAISERSCHNITT –

Lis (26)

Ich war 19 und vertraute den Ärzten blind – das passiert nicht noch einmal

Liebe Schwangere und Gleichgesinnte,
meinen ersten Sohn habe ich vor 6 Jahren per Kaiserschnitt bekommen. Während der Schwangerschaft wurde bei mir Schwangerschaftsdiabetes festgestellt. Ab dem Zeitpunkt haben mich die Ärzte verrückt gemacht. Jedes Mal war er entweder zu groß und schwer oder zu klein und leicht. Ich solle doch einen Kaiserschnitt machen lassen. Ich war 19 und habe den Ärzten blind vertraut. Also bekam ich einen geplanten Kaiserschnitt. Einige Zeit nach der Geburt kam ich ins grübeln, dass ich einen Kaiserschnitt ja gar nicht wollte, sondern dass ich natürlich gebären wollte.

Vier Jahre später wurde ich wieder schwanger. Im vornherein war mir klar: Diesmal keinen Kaiserschnitt. Ich traue den Ärzten nicht mehr. Ich habe mir sofort eine Hebamme gesucht, welche Hausgeburten und vor allem HBAC (Home Birth after Cesarean) Geburten begleitet und habe eine liebevolle Praxis in Worms gefunden. Das Team war aufklärend und ein Platz der Bestärkung und Begleitung.

Ich bereitete mich auf die Geburt mit Büchern und Meditation vor. Ab der 28. Woche habe ich mich ausschließlich von meiner Hebamme untersuchen lassen. Langsam erreichten wir die 40. Woche. Mein Muttermund war seit 3 Wochen schon 2 cm offen, aber nichts tat sich. Ich war entspannt und gelassen, weil meine Hebamme es auch war.

Sie wollten mich schon wieder umstimmen

Am ET+3 musste ich ins Krankenhaus, um mir bescheinigen zu lassen, dass ich weiterhin zu Hause entbinden darf (Es ist Pflicht, sich das zu bescheinigen). Natürlich hat mich das Krankenhaus versucht umzustimmen, aber ich hielt an meinem Plan fest.

An 41+4 sagte meine Hebamme mir, dass wir nicht mehr viele Möglichkeiten der natürlichen Einleitung haben. Wenn er bei 41+7 nicht da ist, müssen wir ins Krankenhaus.

41+6 – es geht los

In der Nacht zu 41+6 war ich lange wach und arbeitete an meinen Uni-Sachen. Da merkte ich meinen Bauch, der immer wieder hart wurde. Ich dachte nicht, dass es losgeht. Um 23:40 Uhr habe ich mich zum schlafen hingelegt und um 2:39 Uhr bin ich von Wehen aufgewacht. Ich habe erst einmal 15 Minuten die Wehen gemessen. Sie kamen alle vier Minuten. Ich weckte meinen Mann und gegen 3:50 Uhr haben wir die Hebamme angerufen.

Mein Mann hat mir im Wohnzimmer vor dem Kamin Matratzen hingelegt und alles vorbereitet. Die Hebamme kam an und schrieb alles auf. Sie beobachtete die Situation und hat mir den Raum und die Freiheit gegeben, meinen Körper das alleine machen zu lassen. Gegen 5:00 Uhr hat sie den Muttermund geprüft: 8 cm schon! Ihre Kollegin und die Hebammenschülerin, die mich gefragt hat, ob sie mit darf, kamen ungefähr gegen 6:00 Uhr an. Zeitgefühl hatte ich keins. Ich habe einfach losgelassen und meinem Körper vertraut.

Er kam vor dem Kamin auf die Welt

Um halb 8:00 Uhr war ich kurz in der Badewanne, habe die Wärme und das Liegen aber nicht ausgehalten. Ich wollte raus, da platzte die Fruchtblase. Gegen 8:00 Uhr entschied meine Hebamme, dass ich einen Stellungswechsel machen muss. Ich war vorher im Vierfüßlerstand auf dem Sofa gelehnt und sollte auf den Gebärhocker, um die Schwerkraft zu nutzen, da das Köpfchen nicht weiter rutschte.

Gegen 9:00 Uhr habe ich Presswehen bekommen und gegen 9:30 Uhr kam mein Sohn zu Hause, vor dem warmen Kamin, auf die Welt. Ich war froh, glücklich und der Prozess des Heilens begann.

Leider bin ich dritten Grades gerissen sowohl Innen, als auch Außen, sodass mich meine Hebammen zum Nähen ins Krankenhaus gefahren haben. Sie waren die ganze Zeit bei mir und haben mich sogar abends wieder zu Hause besucht.

Ich schulde den dreien so viel. Wir Frauen schaffen das, auch nach einem Kaiserschnitt!

15. Januar 2021

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